Luftfracht

Ausgehend von dem Warengewicht der grenzüberschreitend transportierten Güter scheint die Luftfracht mit einem Anteil von weniger als einem Prozent eine Größe zu sein, die vernachlässigt werden kann. Wird jedoch der Wert der gehandelten Waren zu Grunde gelegt, steigt der Anteil der Luftfracht auf 40 Prozent. Denn im Gegensatz zur Seefracht konzentriert sich der Luftfrachtverkehr auf kapitalintensive, kurzlebige und/oder verderbliche Güter. Die Luftfracht wird – neben Charterverkehren – vornehmlich in den von den Airlines aufgebauten weltweiten Netzwerken von geplanten Linienflügen transportiert. Durch den Zusammenschluss von Airlines zu Allianzen können die Kapazitäten der einzelnen Linien kombiniert und so die Erreichbarkeit gesteigert und das Netzwerk enger geknüpft werden.

Man kann den Luftverkehr unter dem Aspekt der eingesetzten Flugzeugtypen unterscheiden, wobei die Wahl des Flugzeugtyps von dem jeweiligen Transportgut abhängig ist. Die Luftverkehrsgesellschaften, bei denen der Transport von Passagieren im Vordergrund steht, nehmen in den Passagierflugzeugen zusätzliche Fracht als Beiladung mit. Die Fracht wird dabei, zusammen mit dem Gepäck der Passagiere, im Unterflurfrachtraum (Lower Deck) befördert, während die Passagiere im Hauptdeck (Main Deck) befördert werden. Die Luftfracht ist damit ein Kuppelprodukt des Passagiertransports.

Nurfracht-Flugzeuge werden ausschließlich von Fluggesellschaften genutzt, die in der Luftfracht ein eigenes Geschäftsfeld sehen. Das wesentliche Kennzeichen der klassischen Luftfracht besteht darin, dass die Trans-portleistung in Kooperation von Fluggesellschaft (Carrier) und Luftfrachtspediteur er-bracht wird, wobei der Carrier meist in der IATA organisiert ist. Die Spedition fungiert am Markt als Verkäufer von Luftfrachtkapazität für den Carrier.

Die Produktion von klassischen Luftfrachtleistungen ist bisher relativ wenig standardi-siert und von vielen Ad-hoc-Entscheidungen abhängig. Teilweise arbeiten Spediteure mit bis zu 200 Airlines zusammen und umgekehrt Airlines mit bis zu 600 Spediteuren. Es kommt zu vielfältigen und unterschiedlichen Schnittstellen, die einen transparenten und durchgängigen Informationsfluss nur sehr schwer ermöglichen und komplexe Transportflüsse entstehen lassen. Die herausragende Rolle, welche die Luftfracht in der internationalen Logistik ein-nimmt, führt zu einer Ansiedlung von Airportlogistikzentren in der Nähe wichtiger Flughäfen.